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48'000 neue Wohnungen 2026 – warum 2027 wieder weniger kommen

Der Baumeisterverband meldet ein starkes Halbjahr 2026 im Wohnungsbau – doch die Pipeline für 2027 schwächt sich ab. Was das für Verkäufer bedeutet.

Aktualisiert September 20264 min Lesezeitkontakt@maklervermittlung.ch
Gelber Baukran auf einem im Bau befindlichen Gebäude vor blauem Himmel

Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) hat am 26. August 2026 seine Halbjahreszahlen veröffentlicht: Das Bauhauptgewerbe wuchs in den ersten sechs Monaten des Jahres um 3,1 Prozent auf 11,2 Milliarden Franken Umsatz, getragen vom Wohnungsbau. Für Verkäuferinnen und Verkäufer ist das nur die halbe Geschichte – der Blick auf die Auftragsbücher zeigt, dass die aktuelle Bautätigkeit 2027 bereits wieder nachlassen dürfte.

Starkes erstes Halbjahr, getragen vom Hochbau

Laut dem Schweizerischen Baumeisterverband legte der Hochbau – dazu zählt der Wohnungsbau – im ersten Halbjahr 2026 um über 5 Prozent zu, während der Tiefbau um 2 Prozent schrumpfte. Das erste Quartal fiel mit +5,6 Prozent besonders stark aus, im zweiten Quartal verlangsamte sich das Wachstum auf +1,3 Prozent bei einem Umsatz von 6,2 Milliarden Franken.

Auch bei den Neuaufträgen zeigt sich das gleiche Bild: Insgesamt gingen im ersten Halbjahr Aufträge über 12,2 Milliarden Franken ein (+1,6 Prozent), wovon der Hochbau mit +2,5 Prozent deutlich stärker zulegte als der Tiefbau mit +0,5 Prozent.

Der Auftragsbestand der Schweizer Bauwirtschaft entspricht derzeit rund acht Monaten Arbeit – deutlich mehr als die rund fünf Monate, die in den 2000er-Jahren üblich waren.

Rund 48'000 neue Wohnungen für 2026 in Aussicht

Aus dem Auftragseingang von rund 8 Milliarden Franken für den Wohnungsbau im Jahr 2025 leitet der SBV ab, dass 2026 rund 48'000 neue Wohnungen fertiggestellt werden dürften. Das ist eine der höchsten Zahlen seit Jahren und ein Signal, dass die Bauwirtschaft auf die anhaltende Wohnungsnot reagiert.

Für Verkäuferinnen und Verkäufer bestehender Liegenschaften bedeutet das zunächst: mehr Konkurrenz durch Neubauprojekte in gewissen Lagen, besonders bei Eigentumswohnungen in wachsenden Agglomerationen.

Warum 2027 schon wieder knapper wird

Der SBV dämpft die Erwartungen für das Folgejahr: Für 2027 rechnet der Verband mit weniger fertiggestellten Wohnungen. Zwei Gründe werden genannt:

  • Die Neuaufträge im Hochbau stagnierten im ersten Halbjahr 2026.
  • Die Baugesuche für Wohnbauten waren 2025 bereits schwach.

Weil zwischen Baugesuch, Auftragseingang und Fertigstellung in der Regel ein bis zwei Jahre liegen, wirkt sich die schwache Nachfrage von 2025 erst 2027 auf das Angebot aus. Der aktuelle Bauboom ist damit eher ein Nachholeffekt als der Beginn einer strukturellen Angebotsausweitung, wie auch cash.ch in der Einordnung der Zahlen festhält.

Was das für den Verkaufszeitpunkt bedeutet

Wer glaubt, der Neubau-Schub 2026 werde die Wohnungsnot bald lösen, dürfte sich täuschen: Der SBV selbst rechnet 2027 mit einem Rückgang der fertiggestellten Einheiten.

Für Eigentümerinnen und Eigentümer, die einen Verkauf erwägen, heisst das konkret:

  • Kurzfristig (2026): In Lagen mit vielen neuen Eigentumswohnungen kann das zusätzliche Angebot den Verhandlungsspielraum von Käuferinnen und Käufern vergrössern. Eine realistische, vergleichsbasierte Preisstrategie bleibt wichtig.
  • Mittelfristig (2027): Die strukturelle Verknappung, die den Markt seit Jahren stützt, dürfte nicht so schnell verschwinden, wie es die Zahlen für 2026 vermuten liessen.
  • Regional prüfen: Der Hochbau-Boom verteilt sich ungleich. Wer verkaufen will, sollte sich vor Ort informieren, wie viele Neubauprojekte in der eigenen Gemeinde oder Region tatsächlich in der Pipeline stehen – Angaben dazu liefern die kantonalen Bauämter oder ein lokal verankerter Makler.

Verzögerungen bleiben ein Risiko

Der SBV weist zusätzlich auf ein strukturelles Problem hin: Einsprachen und lange Bewilligungsverfahren verzögern Bauprojekte trotz voller Auftragsbücher – ein Befund, den auch Baublatt in seiner Berichterstattung zu den Halbjahreszahlen hervorhebt. Das betrifft zwar in erster Linie den Tiefbau, zeigt aber, wie unsicher Prognosen zur künftigen Wohnbautätigkeit generell sind. Wer als Verkäuferin oder Verkäufer auf ein bestimmtes Marktumfeld wartet, sollte diese Unsicherheit einkalkulieren.

Fazit

Die Halbjahreszahlen 2026 zeigen ein starkes, aber wohl kurzlebiges Wohnbau-Hoch. Wer im aktuellen Umfeld verkauft, profitiert von hoher Nachfrage bei gleichzeitig noch knappem Bestand an bestehenden Liegenschaften. Wer abwarten will, sollte nicht auf eine baldige Entspannung durch mehr Neubauwohnungen hoffen – die eigenen Zahlen des Baumeisterverbands sprechen eher dagegen.

Quellen