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Bauinvestitionen +3,5 %: Was der Bauboom für Verkäufer heisst

Die Bauinvestitionen stiegen 2025 um 3,5 Prozent, der Wohnungsbau ist der grösste Treiber. Was der Bauboom für den Immobilienverkauf künftig bedeutet.

Aktualisiert Juli 20264 min Lesezeitkontakt@maklervermittlung.ch
Baustelle mit Kränen und Rohbau in den Schweizer Alpen

Die Bauwirtschaft zieht wieder deutlich an. Der Bund meldet für 2025 ein Plus von 3,5 Prozent bei den Bauinvestitionen, und die Prognosen für 2026 zeigen weiter nach oben. Wachstumstreiber ist ausgerechnet jener Bereich, der Eigenheimverkäufer am direktesten betrifft: der Wohnungsbau. Wer eine Liegenschaft verkaufen will, sollte verstehen, was diese Zahlen für das Angebot der kommenden Jahre bedeuten – und warum sich am aktuell knappen Markt kurzfristig trotzdem wenig ändert.

Die Bauinvestitionen 2025 im Detail

Laut den provisorischen Ergebnissen der Baustatistik des Bundesamts für Statistik (BFS) stiegen die Bauinvestitionen 2025 nominal um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sowohl der Hochbau (+3,6 %) als auch der Tiefbau (+3,2 %) legten zu. Auffällig ist die Verteilung zwischen privaten und öffentlichen Auftraggebern:

  • Private Bauherren investierten 2,5 Prozent mehr in den Hochbau, kürzten ihre Tiefbau-Ausgaben aber um 5,7 Prozent.
  • Bund, Kantone und Gemeinden erhöhten ihre Hochbau-Investitionen um 8,4 Prozent und den Tiefbau um 5,2 Prozent.
  • In Neubauprojekte flossen 3,4 Prozent mehr Mittel, in Umbauprojekte 3,5 Prozent mehr.
  • Die laufenden, noch nicht abgeschlossenen Bauarbeiten nahmen bis Ende 2025 um 6,0 Prozent zu.

Der starke Anstieg bei öffentlichen Hochbauinvestitionen deutet auf zusätzliche Schul-, Verwaltungs- und Wohnbauprojekte der öffentlichen Hand hin, während private Bauherren ihr Geld bevorzugt in Hochbau statt Tiefbau stecken.

2026 setzt sich der Trend fort

Der KOF-Baublatt-Ausblick vom Mai 2026 bestätigt die Richtung: Für das laufende Jahr wird ein Wachstum der nominalen Bauinvestitionen von +1,7 Prozent im ersten bis +2,6 Prozent im dritten Quartal erwartet. Die KOF weist allerdings auf einen wichtigen Vorbehalt hin: Steigen die Baupreise breitflächig, fällt das reale, also mengenmässige Wachstum entsprechend geringer aus als die nominalen Zahlen suggerieren. Rund 22 Prozent der befragten Bauunternehmen rechneten zum Zeitpunkt der Erhebung mit steigenden Preisen in den kommenden drei Monaten.

Ein Teil des gemeldeten Wachstums ist also Teuerung, nicht zusätzliches Bauvolumen. Für die Einschätzung des künftigen Angebots zählt trotzdem vor allem eines: wie viele Wohnungen tatsächlich gebaut werden.

Wohnungsbau als eigentlicher Wachstumsmotor

Genau hier liefert der Bauindex des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) die konkretesten Zahlen. Im ersten Quartal 2026 legte die Bautätigkeit um 5,6 Prozent zu, und die Wohnbaugesuche stiegen in den ersten vier Monaten 2026 um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Verband bezeichnet den Wohnungsbau explizit als «zentralen Wachstumsmotor» des Jahres 2026, getragen von anhaltender Nachfrage, demografischem Wachstum und – dank Nullzinsumfeld – kalkulierbaren Finanzierungsbedingungen für Investoren. Die Auftragsbücher der Baubranche sind laut SBV bis mindestens ins erste Quartal 2027 gut gefüllt; der Gesamtumsatz der Baubranche wird für 2026 auf 24,4 Milliarden Franken geschätzt.

Was das für Verkäufer bedeutet

Mehr Baugesuche und mehr laufende Wohnbauprojekte heissen nicht, dass morgen mehr Wohnungen auf dem Markt sind. Zwischen Baugesuch und Bezug vergehen in der Regel zwei bis drei Jahre. Wer heute verkauft, verkauft also noch in einem Markt, der von diesen zusätzlichen Einheiten kaum beeinflusst ist. Für die mittelfristige Planung sind die Zahlen trotzdem relevant:

  • Timing: Da die Auftragsbücher bis Anfang 2027 gefüllt sind, dürfte ein grosser Teil der zusätzlichen Wohnungen frühestens ab 2027/2028 bezugsbereit sein. Wer eine Liegenschaft in den nächsten ein bis zwei Jahren verkaufen will, konkurriert kaum mit dieser neuen Welle.
  • Standortprüfung: Der Anstieg der Baugesuche verteilt sich nicht gleichmässig auf die Schweiz. Wer plant, in einer Gemeinde mit überdurchschnittlichem Baugesuchswachstum zu verkaufen, sollte vor der Preisfestlegung prüfen, wie viele Neubauprojekte in der näheren Umgebung laufen.
  • Objektart: Der SBV nennt den Wohnungsbau als Haupttreiber – das betrifft vor allem Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen stärker als freistehende Einfamilienhäuser, deren Bautätigkeit separat schwächer ausfällt.
  • Preiskomponente einordnen: Ein Teil des gemeldeten Investitionswachstums ist laut KOF auf steigende Baupreise zurückzuführen. Das beeinflusst zwar nicht direkt den Wert einer bestehenden Liegenschaft, wohl aber, wie teuer ein Neubau als Verkaufsalternative für Kaufinteressenten ist.
Wichtiger Punkt für die eigene Verkaufsstrategie: Ein volles Auftragsbuch der Bauwirtschaft ist ein Frühindikator für Angebot in zwei bis drei Jahren – kein Signal für die nächsten Monate.

Ein erfahrener Makler kennt die lokale Pipeline an Baugesuchen und Bauprojekten in der eigenen Region und kann einschätzen, ob und wann zusätzliche Konkurrenz durch Neubauten entsteht. Diese Einschätzung fliesst sinnvollerweise in die Preisstrategie und den Verkaufszeitpunkt ein.

Quellen