Eigenheimmarkt Q1 2026: Preise +4,9 % – was das für Verkäufer heisst
Eigenheimpreise stiegen im Q1 2026 um 4,9 Prozent. Wüest Partner und Raiffeisen belegen: Angebot bleibt knapp, Zinsen tief. Was das für Verkäufer bedeutet.
Im ersten Quartal 2026 haben sich die Schweizer Eigenheimpreise erneut spürbar verteuert. Laut dem Transaktionspreisindex von Raiffeisen Schweiz stiegen Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen gegenüber dem Vorjahr je um rund 4,9 Prozent. Das knappe Angebot, historisch tiefe Hypothekarzinsen und eine stabile Käufernachfrage sind die zentralen Treiber. Wer in diesem Umfeld eine Liegenschaft verkaufen will, findet gute Voraussetzungen – solange Preis und Vorbereitung stimmen.
Aktuelle Zahlen: Wie weit die Preise gestiegen sind
Für Eigentumswohnungen verzeichnete das erste Quartal 2026 einen Quartalszuwachs von 1,8 Prozent, für Einfamilienhäuser 1,4 Prozent. Auf Jahresbasis liegt das Plus in beiden Segmenten bei 4,9 Prozent – und damit trotz veränderter globaler Rahmenbedingungen erneut deutlich im positiven Bereich.
Wüest Partner bestätigt den Trend: Im vierten Quartal 2025 lagen Eigentumswohnungen 4,5 Prozent über Vorjahr, Einfamilienhäuser sogar 5,3 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Forschungsinstitut mit einem weiteren Anstieg von rund 2,8 Prozent bei Wohnungen und 3,1 Prozent bei Einfamilienhäusern.
Kumuliert seit 2019 haben Eigentumswohnungen in der Schweiz rund 25 Prozent zugelegt, Einfamilienhäuser rund 27,5 Prozent – trotz Zinsanstieg und globaler Unsicherheiten.
Warum das Angebot nicht nachkommt
Die Hauptursache für die anhaltend hohen Preise ist strukturell: Es gibt zu wenig Objekte auf dem Markt. Laut HEV Schweiz und Fahrländer Partner wurden 2024 schweizweit nur rund 2'900 neue Einfamilienhäuser fertiggestellt – ein historisch tiefer Wert. Die Neubautätigkeit kann mit der Bevölkerungsentwicklung schlicht nicht mithalten.
Gleichzeitig fehlen Bestandsverkäufe. Wer kein finanzielles Motiv hat, keinen Erbschaftsdruck und keinen erzwungenen Umzug, wartet ab. Das Resultat ist ein dauerhafter Angebotsengpass, der die Preisentwicklung stützt – unabhängig von kurzfristigen wirtschaftlichen Schwankungen.
Regional differenziert: Nicht alle Regionen ziehen gleich
Das nationale Mittel verdeckt erhebliche regionale Unterschiede. Laut den Auswertungen von Raiffeisen und Wüest Partner sind folgende Entwicklungen erkennbar:
- Einfamilienhäuser: Stärkste Preisentwicklung in der Region Bern und der Westschweiz (Romandie)
- Eigentumswohnungen: Grösste Zuwächse in der Zentralschweiz und im Süden (Tessin, Wallis)
- Deutschschweiz: Luzern und Schaffhausen gelten als überdurchschnittlich wachsende Regionen
- Verhaltener: Genferseeregion und Jurabogen entwickeln sich voraussichtlich unterdurchschnittlich
Das nationale Plus von 4,9 Prozent sagt also wenig darüber aus, was Ihre Liegenschaft konkret wert ist. Für eine realistische Preisfindung braucht es Vergleichstransaktionen auf Gemeindeebene – nicht nationale Durchschnittswerte.
Hypothekarzinsen auf historisch tiefem Niveau
Die Schweizerische Nationalbank hat den Leitzins im März 2026 zum dritten Mal in Folge bei 0 Prozent belassen. Die Inflation liegt laut HEV/FPRE bei rund 0,4 Prozent – klar im Zielbereich der SNB. Für das restliche Jahr 2026 rechnen die meisten Experten mit stabilen Zinsen.
Für Käufer bedeutet das konkret: Laut Houzy-Analyse vom März 2026 sind 5-jährige Festhypotheken ab rund 1,15 Prozent erhältlich, 10-jährige ab etwa 1,44 Prozent. SARON-Hypotheken bewegen sich nochmals tiefer.
Wer heute eine Hypothek aufnimmt, zahlt historisch niedrige Zinsen. Das erhöht die Kaufkraft der Interessenten – und damit auch den realisierbaren Preis auf Verkäuferseite.
Was das für Verkäufer konkret bedeutet
Aus den aktuellen Daten lassen sich vier praktische Schlüsse ziehen:
- Der Markt ist verkäuferfreundlich. Knappes Angebot, stabile Nachfrage, tiefe Finanzierungskosten – die Ausgangslage spricht klar für Verkäufer.
- Realistischer Preis schlägt Maximalpreis. Überteuerte Objekte liegen länger am Markt und werden am Ende mit Abschlag verkauft. Gut informierte Käufer erkennen schnell, wenn ein Inserat ausserhalb der Marktlogik liegt.
- Regionale Einordnung ist Pflicht. Nationale Durchschnittszahlen taugen nicht als Preisgrundlage. Entscheidend sind Vergleichstransaktionen aus Ihrer konkreten Gemeinde und Mikrolage.
- Vorbereitung schlägt Timing. Ein korrekt bepreistes, vollständig dokumentiertes Objekt findet in den meisten Regionen rasch einen Käufer – unabhängig vom Quartal.
Wie lange das aktuelle Umfeld anhält, lässt sich nicht verlässlich vorhersagen. Geopolitische Ereignisse, eine Wende in der SNB-Zinspolitik oder ein plötzlicher Angebotszuwachs könnten die Dynamik verändern. Für jetzt aber gilt: Wer verkaufen will, hält gute Karten in der Hand.
Quellen
- Raiffeisen Schweiz, Transaktionspreisindex Q1 2026, via Neue Medien Gesellschaft (April 2026)
- HEV Schweiz / Fahrländer Partner: Immobilien 2026 – Nachfrage bleibt hoch, Preisdynamik verlangsamt (28. Januar 2026)
- Wüest Partner: Immobilienmarkt Schweiz, Publikationen (Mai 2026)
- Houzy: Hypotheken-Zinsentwicklung Q2 2026 (19. März 2026)