Marktdaten

Eigenheimmarkt Q2 2026: Häuser stagnieren, Wohnungen ziehen an

Der Raiffeisen-Transaktionspreisindex zeigt: Einfamilienhäuser stagnieren im Q2 2026, Eigentumswohnungen legen weiter zu. Was das für Verkäufer bedeutet.

Aktualisiert Juli 20264 min Lesezeitkontakt@maklervermittlung.ch
Modernes Mehrfamilienhaus mit Balkonen vor Bergkulisse in Davos

Der Raiffeisen-Transaktionspreisindex für das zweite Quartal 2026 zeigt eine Wende, die es in dieser Form seit Jahren nicht gab: Einfamilienhäuser sind gegenüber dem Vorquartal nicht mehr teurer geworden, während Eigentumswohnungen weiter zulegen. Für Verkäufer ist das mehr als eine statistische Randnotiz – die beiden grössten Marktsegmente entwickeln sich plötzlich in unterschiedliche Richtungen, und das verändert, wie eine Preisstrategie heute aussehen sollte.

Was der Index für das zweite Quartal zeigt

Laut Raiffeisen Schweiz blieben die Preise für Einfamilienhäuser zwischen April und Juni 2026 gegenüber dem Vorquartal praktisch unverändert. Eigentumswohnungen dagegen verteuerten sich im gleichen Zeitraum um 1,0 Prozent. Im Jahresvergleich zeigt sich das Bild etwas versöhnlicher: Einfamilienhäuser legten um 3,4 Prozent zu, Eigentumswohnungen um 4,2 Prozent. Das Preisniveau bleibt also hoch – nur das Tempo hat sich beim Haus-Segment spürbar verlangsamt.

Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile ordnet die Entwicklung so ein: Die Preisdynamik bei Wohneigentum bleibe insgesamt sehr hoch, auch wenn sich das Wachstum in diesem Quartal etwas abgeschwächt habe. Tiefe Hypothekarzinsen und ein knappes Angebot an Wohnungen und Häusern stützten die Preise weiterhin, so Raiffeisen und die Berichterstattung von finews.ch.

Eine Stagnation ist keine Trendwende nach unten. Sie bedeutet, dass der Markt für Häuser gerade eine Verschnaufpause einlegt – nicht, dass Verkäufer plötzlich Preisabschläge einkalkulieren müssten.

Warum Einfamilienhäuser gerade pausieren

Der Grund liegt weniger an einem Nachfrageeinbruch als an der Erschöpfung des Preisspielraums: Wer sich ein Haus leisten kann, hat das in den vergangenen Jahren bereits zu den geltenden Preisen getan. Die Tragbarkeitsrechnung der Banken – die mit einem kalkulatorischen Zins von 4,5 bis 5 Prozent statt dem effektiven Marktzins rechnet – begrenzt, wie viel zusätzliche Preissteigerung der Käuferkreis überhaupt noch verkraften kann. Das Resultat ist eine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau, kein Einbruch.

Warum Eigentumswohnungen weiter anziehen

Bei Eigentumswohnungen ist der Käuferkreis breiter und preislich flexibler: Wer sich kein freistehendes Haus leisten kann, weicht auf die Eigentumswohnung aus – und verschärft dort die Knappheit zusätzlich. Das drückt sich auch regional aus. Besonders kräftig zogen laut Raiffeisen die Preise in der Südschweiz an, mit einem Plus von 6,7 Prozent im Jahresvergleich. Eine auffällige Ausnahme bildet die Genferseeregion: Dort sanken die Preise für Eigentumswohnungen als einzige Region der Schweiz um 1,4 Prozent.

Regionale Unterschiede bei Einfamilienhäusern

Auch beim Haus-Segment ist die Entwicklung nicht überall gleich. Die Westschweiz verzeichnete mit 6,3 Prozent das stärkste Jahreswachstum, während die Nordwestschweiz (+3,4 %) und die Zentralschweiz (+3,1 %) deutlich moderater zulegten. Wer also überregional vergleicht – etwa über Immobilienportale oder Bekannte in anderen Kantonen –, sollte die Zahlen nicht eins zu eins auf das eigene Objekt übertragen. Ein Verkaufspreis muss sich immer am lokalen Markt orientieren, nicht am nationalen Durchschnitt.

Was das für Verkäufer konkret bedeutet

Für die Preisstrategie ergeben sich je nach Objekttyp unterschiedliche Schlüsse:

  • Einfamilienhaus verkaufen: Die Zeiten, in denen jedes Quartal automatisch einen höheren Verkaufspreis rechtfertigte, sind vorerst vorbei. Eine realistische Bewertung auf Basis aktueller Vergleichstransaktionen – nicht optimistischer Vorjahreszahlen – ist jetzt wichtiger als je zuvor.
  • Eigentumswohnung verkaufen: Der Rückenwind hält an, besonders ausserhalb der Genferseeregion. Wer eine Eigentumswohnung ausserhalb dieser Region verkauft, verhandelt aus einer vergleichsweise komfortablen Position.
  • Genferseeregion: Eigentümer von Eigentumswohnungen sollten die Preiserwartungen an die dortige Sonderentwicklung anpassen und sich nicht an nationalen Durchschnittswerten orientieren.
  • Regionale Einordnung: Wer in der Zentral- oder Nordwestschweiz ein Haus verkauft, sollte mit weniger Preisspielraum rechnen als in der Westschweiz.

Grundsätzlich gilt: Der Transaktionspreisindex misst tatsächlich abgeschlossene Käufe, nicht Angebotspreise. Er ist damit ein realistischerer Massstab für die eigene Preisfindung als ein Blick auf Inserate, die oft deutlich über dem später erzielten Preis liegen.

Quellen