Marktdaten

Eigenheimpreise Q3 2026: Warum Zinsen den Markt nicht bremsen

Raiffeisen meldet für das dritte Quartal 2026 weiter steigende Eigenheimpreise. Was die Zahlen nach Region und Objektart für Verkäufer bedeuten.

Aktualisiert Oktober 20264 min Lesezeitkontakt@maklervermittlung.ch
Braune Holzhäuser in Zermatt mit dem Matterhorn im Hintergrund

Wer ein Haus oder eine Wohnung verkaufen will, hört seit Monaten zwei widersprüchliche Botschaften: Die Zinsen ziehen an, die Preise steigen trotzdem. Der neue Transaktionspreisindex von Raiffeisen für das dritte Quartal 2026 liefert die Zahlen dazu – und sie zeigen, dass der Markt je nach Objekt und Region sehr unterschiedlich läuft.

Was der Index für das dritte Quartal zeigt

Laut Raiffeisen Schweiz haben sich selbstgenutzte Wohnobjekte im dritten Quartal 2026 weiter verteuert:

  • Einfamilienhäuser: +2,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal, +3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr
  • Stockwerkeigentum: +1,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, +5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr

Der Index basiert auf Transaktionsdaten von Raiffeisen und dem Swiss Real Estate Datapool (SRED). Es handelt sich also um tatsächlich bezahlte Preise, nicht um Inserate.

Grosse Unterschiede zwischen den Regionen

Bei den Einfamilienhäusern lag im Jahresvergleich die Region Zürich mit +4,8 Prozent vorn, gefolgt von der Westschweiz mit +4,6 Prozent. Die Ostschweiz kam auf +3,5 Prozent, die Südschweiz auf +3,3 Prozent.

Bei den Eigentumswohnungen ist das Bild breiter gestreut. Die Südschweiz verzeichnete mit +7,4 Prozent den stärksten Anstieg, die Genferseeregion mit +0,4 Prozent den schwächsten. Wie finews.ch berichtet, zeigen sich auch nach Gemeindetyp deutliche Unterschiede:

  • Einfamilienhäuser in Zentrumsgemeinden: +5,2 Prozent
  • Stockwerkeigentum in Tourismusgemeinden: +7,9 Prozent
  • Stockwerkeigentum in Zentrumsgemeinden: nur +1,6 Prozent
Ein Landesdurchschnitt sagt wenig über Ihr Objekt. Entscheidend sind Region, Gemeindetyp und Objektart.

Steigende Zinsen bremsen die Preise bisher nicht

Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile führt die jüngsten Zinsanstiege bei Festhypotheken auf die Aussicht zurück, dass die SNB das Nullzinsregime beenden könnte. Seine Einschätzung: Der moderate Zinsanstieg genüge nicht, um die hohe Preisdynamik am Eigenheimmarkt umzukehren. Der Grund sei das knappe Angebot.

Wie es bei den Zinsen weitergehen könnte, zeigt die PostFinance-Zinsprognose vom 24. September 2026. Sie erwartet, dass die SNB den Leitzins am 10. Dezember 2026 bei 0 Prozent belässt, im März 2027 auf 0,25 Prozent anhebt und später im Jahr 2027 auf 0,5 Prozent. Für Festhypotheken mit 5, 7 und 10 Jahren rechnet PostFinance in den nächsten zwölf Monaten mit einem Anstieg von 0,25 bis 0,49 Prozentpunkten. SARON-Hypotheken dürften laut Prognose die etwas günstigere Option bleiben.

Das sind Prognosen, keine Garantien. Sie zeigen aber die Richtung, in die sich die Finanzierungskosten Ihrer Käufer bewegen könnten.

Warum das Angebot der entscheidende Faktor bleibt

Hasenmaile betont, das Angebot sei und bleibe zu knapp. Solange Käufer zwischen wenigen Objekten wählen, setzen sich gut aufbereitete und realistisch bepreiste Liegenschaften durch. Das gilt besonders dort, wo die Nachfrage hoch ist, etwa bei Einfamilienhäusern in Zentrumsgemeinden.

Für Verkäufer heisst das: Die Verhandlungsposition ist im Moment solide, aber sie hängt an Faktoren, die sich ändern können. Neue Bauprojekte, mehr Inserate in Ihrer Gemeinde oder weiter steigende Finanzierungskosten können das Gleichgewicht verschieben. Wer ohnehin verkaufen möchte, sollte die Vorbereitung deshalb nicht auf die lange Bank schieben: Unterlagen zusammenstellen, den Zustand des Objekts ehrlich einschätzen und eine fundierte Bewertung einholen.

Was das für Verkäufer heisst

Die Zahlen sprechen nicht für Hektik, aber auch nicht für unbegrenztes Abwarten.

  • Preisargument prüfen: Ein Verkauf im aktuellen Umfeld profitiert vom knappen Angebot. Sinkt die Knappheit durch mehr Inserate, kann sich das ändern.
  • Zinsen im Blick behalten: Käufer rechnen mit der Tragbarkeit. Höhere Festhypothekarzinsen verkleinern deren Budget, auch wenn die Preise bisher noch nicht reagieren.
  • Lokal bewerten lassen: Ein Haus in einer Zentrumsgemeinde verhält sich anders als eine Ferienwohnung in einer Tourismusgemeinde. Verlangen Sie vom Makler Vergleichstransaktionen aus Ihrer Gemeinde, nicht nur Landesdurchschnitte.
  • Preis nicht aus Indizes ableiten: Ein Index zeigt den Trend, nicht den Wert Ihres Objekts. Zustand, Lage und Energiebilanz entscheiden im Einzelfall.
Steigende Preise sind kein Selbstläufer: Wer zu hoch ansetzt, verlängert die Vermarktungsdauer und verliert am Ende oft mehr, als er gewinnen wollte.

Quellen