Eigentumswohnungen 2026: Rekordangebot, trotzdem schnell verkauft
Rund 101'000 Eigentumswohnungen waren 2025 inseriert – Rekord. Trotzdem sank die Insertionsdauer auf 84 Tage. Was das für Verkäufer in der Schweiz heisst.
Die Situation am Schweizer Eigentumswohnungsmarkt klingt auf den ersten Blick widersprüchlich: So viele Wohnungen wie noch nie werden gleichzeitig angeboten – und trotzdem finden Käufer schneller als 2023 zu einem Abschluss. Für Eigentümer, die ihre Wohnung verkaufen wollen, ist das eine wichtige Momentaufnahme: Der Markt ist kompetitiver geworden, belohnt aber gute Vorbereitung.
Rekordangebot mit Bremswirkung
Im Jahr 2025 wurden laut SMG Swiss Marketplace Group rund 101'000 Eigentumswohnungen gleichzeitig auf Schweizer Immobilienportalen inseriert – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2016. Das klingt beunruhigend für Verkäufer. Doch der Angebotszuwachs hat sich dramatisch verlangsamt: Während das Angebot im Vorjahr noch um 19,1 Prozent zugelegt hatte, betrug der Anstieg 2025 nur noch 1,2 Prozent.
Parallel dazu sank die durchschnittliche Insertionsdauer um acht Tage auf 84 Tage. 2023 lag dieser Wert noch bei 92 Tagen. Trotz mehr Auswahl brauchen Käufer heute weniger Zeit, um sich zu entscheiden.
Mehr Angebot, aber nicht weniger Nachfrage – dieser scheinbare Widerspruch beschreibt den ETW-Markt 2025/2026 präzise.
Grosse regionale Unterschiede
Der Schweizer Durchschnitt von 84 Tagen verdeckt erhebliche regionale Unterschiede. Am schnellsten wechseln Eigentumswohnungen die Besitzer in:
- Zentralschweiz: durchschnittlich 61 Tage
- Region Zürich: 64 Tage
- Region Genf: 65 Tage
Am anderen Ende liegt das Tessin mit 131 Tagen – obwohl sich gerade dort die Lage am stärksten verbessert hat: Die Vermarktungszeit verkürzte sich gegenüber dem Vorjahr um 37 Tage. Auch in der Waadt und im Wallis (minus 14 Tage) sowie im Espace Mittelland (minus 10 Tage) zieht die Nachfrage deutlich an.
Für Verkäufer bedeutet das: Der Standort bleibt der wichtigste Faktor für die Vermarktungsdauer. In Zürich oder Luzern ist eine gut positionierte Wohnung im Schnitt in gut zwei Monaten verkauft; im Tessin dauert es trotz positivem Trend deutlich länger.
Warum kaufen mehr Menschen?
Der entscheidende Hebel ist die Finanzierung. Seit 2024 sind die Hypothekarkosten gesunken, und Banken vergeben wieder bereitwilliger Hypotheken. SARON-Hypotheken kosten derzeit nahezu nichts; zehnjährige Festhypotheken bewegen sich im Bereich von 1,6 bis 1,7 Prozent. Gleichzeitig bleibt der Mietmarkt angespannt: Die nationale Leerstandsquote liegt laut Bundesamt für Statistik bei gerade einmal 1,0 Prozent.
Wer bisher gezögert hat, weil Kaufen teurer schien als Mieten, rechnet jetzt neu. Das treibt die Nachfrage nach Wohneigentum – und erklärt, warum selbst ein Rekordangebot die Vermarktungszeiten nicht nach oben drückt.
Was Verkäufer jetzt beachten sollten
Präsentation entscheidet. Martin Waeber, CEO der SMG Swiss Marketplace Group, brachte es auf den Punkt: «Käufer vergleichen sorgfältiger als früher – entscheidend ist, wie gut eine Wohnung präsentiert wird.» Professionelle Fotos, ein klarer Grundriss und eine ehrliche Beschreibung sind kein Luxus mehr, sondern Grundvoraussetzung.
Preis ohne Spielraum. Bei 101'000 aktiven Inseraten sehen Interessenten sofort, wenn ein Objekt überteuert ist. Laut Wüest Partner ist für 2026 ein Preisanstieg von 2,8 Prozent für Eigentumswohnungen zu erwarten – ein gesundes Wachstum, aber kein Markt, in dem beliebige Aufpreise durchkommen. Wer den Ausgangspreis realistisch ansetzt, spart Vermarktungszeit und Nerven.
Timing nutzen. Das Frühjahr ist traditionell die aktivste Kaufsaison. Die Zürcher Kantonalbank erwartet in ihrem Immobilienbarometer, dass sich Eigenheime 2026 weiter verteuern werden. Wer jetzt inseriert, trifft auf Käufer, die ihre Finanzierung gesichert haben und aktiv suchen.
Lokale Expertise einbeziehen. Die regionalen Unterschiede bei der Vermarktungszeit sind erheblich. Wer in der Innerschweiz oder im Grossraum Zürich verkauft, kann mit kurzen Laufzeiten rechnen; wer in Agglomerationen mit höherem Angebot tätig ist, muss Preis und Präsentation besonders sorgfältig planen.
Je mehr Wohnungen gleichzeitig im Netz stehen, desto wichtiger wird der erste Eindruck, den ein Objekt bei Käufern hinterlässt.