Hypotheken

Grüne Hypothek: Was GEAK und Minergie beim Hausverkauf wert sind

Schweizer Banken bieten Käufern energieeffizienter Liegenschaften Zinsrabatte bis 0,8 %. Was Verkäufer über GEAK, Minergie und Grüne Hypotheken wissen sollten.

Aktualisiert Juni 20264 min Lesezeitkontakt@maklervermittlung.ch
Einfamilienhaus mit Solarmodulen auf dem Dach bei klarem Himmel

Wer eine energetisch sanierte Liegenschaft verkauft, hat oft einen Finanzierungsvorteil im Angebot – ohne es zu wissen. Immer mehr Schweizer Banken bieten Käufern von GEAK- oder Minergie-zertifizierten Objekten einen günstigeren Hypothekarsatz an. Das reduziert die monatliche Belastung für den Käufer – und erhöht damit, was er zu zahlen bereit ist.

Was ist eine Grüne Hypothek?

Als Grüne Hypothek – je nach Institut auch Öko-, Nachhaltigkeits- oder Energie-Hypothek genannt – bezeichnet man eine normale Festhypothek oder SARON-Hypothek mit einem Zinsrabatt für Liegenschaften, die einen definierten Energiestandard erfüllen. Als Nachweis akzeptieren die Banken:

  • GEAK (Gebäudeenergieausweis der Kantone), je nach Bank ab Klasse A bis C
  • Minergie, Minergie-P oder Minergie-A Zertifikat
  • Bei Renovationen: GEAK Plus-Bericht, der eine konkrete Effizienzverbesserung dokumentiert

Was Schweizer Banken konkret anbieten

Die Angebote unterscheiden sich stark. Einige gut dokumentierte Beispiele:

ZKB Umweltdarlehen: Die Zürcher Kantonalbank bietet eine Zinsvergünstigung von bis zu 0,8 % – allerdings nur während maximal fünf Jahren und auf Beträge bis CHF 250'000. Bei Bestandsliegenschaften braucht es einen GEAK Plus-Bericht mit Nachweis der Effizienzklasse C oder besser; bei Neubauten reicht ein Minergie-Zertifikat oder GEAK A.

BEKB Hypothek GEAK/Minergie: Die Berner Kantonalbank bietet einen bevorzugten Zinssatz für Finanzierungen von CHF 100'000 bis CHF 1 Mio. Voraussetzung bei Renovationen: Der GEAK muss sich um mindestens zwei Kategorien verbessern, oder es liegt eine Minergie-Zertifizierung vor.

UBS Hypothek Green: UBS bietet vergünstigte Festhypotheken für Liegenschaften mit GEAK A/B, Minergie-Zertifikat oder ohne fossile Heizung, mit Laufzeiten von drei bis zehn Jahren.

Zurich Invest: Der Versicherer führte 2026 einen Zinsvorteil für Liegenschaften ein, die GEAK-Anforderungen erfüllen – unabhängig vom gewählten Hypothekarmodell, laut einem Bericht von investrends.ch.

Branchenweiter Richtwert: Der Hypothekarvermittler Barron Capital vergleicht über 60 Kapitalgeber und nennt 0,2 Prozentpunkte als typischen Rabatt im Markt.

Was 0,2 % Zinsrabatt in Franken bedeutet

Auf den ersten Blick wirkt ein Rabatt von 0,2 % gering. Konkret gerechnet:

  • CHF 600'000 Hypothek mit 0,2 % Rabatt: CHF 1'200 weniger Zinsen pro Jahr, über zehn Jahre rund CHF 11'500 Ersparnis (laut Barron Capital)
  • ZKB-Höchstrabatt: 0,8 % auf CHF 250'000 für fünf Jahre ergibt CHF 10'000 Gesamtersparnis
Für Verkäufer ist das relevant, weil ein Käufer mit günstigerer Finanzierung bereit ist, mehr zu zahlen. Vor allem wenn mehrere Interessenten bieten, wird die Finanzierbarkeit zum Differenzierungsmerkmal.

Welche Liegenschaften qualifizieren sich?

Die Anforderungen variieren je nach Bank:

  • Neubau mit Minergie oder GEAK A: Qualifiziert bei allen genannten Anbietern.
  • GEAK Klasse A oder B im Bestand: Qualifiziert bei UBS, BEKB und vielen Kantonalbanken.
  • GEAK Klasse C nach Sanierung: Reicht bei ZKB, sofern ein GEAK Plus-Bericht die Verbesserung belegt.
  • Ältere Liegenschaft ohne Zertifikat: Kein Anspruch – auch wenn die Liegenschaft faktisch effizient ist.

Auch die Gültigkeitsdauer spielt eine Rolle: BEKB verlangt einen Ausweis, der nicht älter als zwei Jahre ist; bei der ZKB gilt eine Fünfjahresfrist. Ein abgelaufenes Zertifikat muss vor dem Verkauf erneuert werden.

Was Verkäufer konkret tun können

Drei Schritte vor der Vermarktung:

  1. GEAK holen, falls noch nicht vorhanden. Ein GEAK Basic kostet je nach Liegenschaftsgrösse rund CHF 200–500. Der GEAK Plus mit Massnahmenplan (ca. CHF 800–2'000) dient Käufern und deren Finanzierungsberatern als belastbarer Nachweis.
  2. Effizienzklasse kommunizieren. Wer GEAK A oder B hat, sollte das aktiv im Inserat und Exposé nennen – nicht nur wegen des optischen Eindrucks, sondern weil Kaufinteressenten zunehmend die Finanzierbarkeit vorab prüfen.
  3. Zertifikatsalter prüfen. Ist der bestehende Ausweis älter als zwei bis fünf Jahre (je nach Zielbank des Käufers), lohnt eine Erneuerung vor dem Vermarktungsstart.

Quellen