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Hitzesommer 2026: Warum Käufer jetzt auf Beschattung achten

Der Rekordsommer 2026 verändert, worauf Käufer beim Hauskauf achten. Warum Schatten und Kühlung zum Verkaufsargument werden – was Verkäufer jetzt tun können.

Aktualisiert September 20265 min Lesezeitkontakt@maklervermittlung.ch
Mehrstöckiges Wohnhaus mit weisser Fassade und gelb-weiss gestreiften Balkon-Markisen

Der Sommer 2026 hat in der Schweiz Wetterrekorde gebrochen, die seit Messbeginn nicht mehr erreicht wurden. Das bleibt nicht ohne Folgen für den Immobilienmarkt: Immobilienfachleute und Baunormen-Experten berichten unabhängig voneinander, dass sich die Vorlieben von Käuferinnen und Käufern verschieben – weg vom sonnendurchfluteten Glaskörper, hin zu Schatten, Durchzug und Kühlung. Wer jetzt verkauft, sollte diesen Wandel kennen, bevor ihn ein Interessent bei einer Besichtigung an einem heissen Nachmittag selbst entdeckt.

Der Hitzesommer 2026 in Zahlen

Laut einer Auswertung von watson.ch auf Basis von MeteoSchweiz-Daten verzeichneten 69 der 149 Messstationen der Schweiz im Sommer 2026 neue Rekorde bei der Zahl der Hitzetage. In Basel, Bern und Zürich zusammen gab es mehr Tage über 35 Grad als in den vorangegangenen 22 Jahren zusammengenommen. 32 Stationen durchbrachen ihren Allzeitrekord bei Tagen über 35 Grad, 30 Stationen registrierten so viele Tropennächte wie noch nie – in Bern/Zollikofen gab es die erste Tropennacht seit 1975. In Basel/Binningen wurden am 30. Juli 2026 39,7 Grad gemessen, der höchste je auf der Alpennordseite registrierte Wert.

MeteoSchweiz ordnet das historisch ein: «2003 war ein extremer Ausreisser. Solche Ereignisse werden durch die Klimaerwärmung nun wahrscheinlicher.» Anders als 2003, wo die Hitzewelle erst im August kulminierte, begannen die Rekorde 2026 bereits im Juni.

Vom Verkaufsargument zum Warnsignal

Grosse Fensterflächen, ein sonniger Balkon, ein Blick über den See – das galt lange als Premium-Ausstattung, die sich im Preis niederschlägt. Genau diese Eigenschaften stehen laut SRF inzwischen infrage. Der Zürcher Immobilienberater Matteo Molteni beobachtet: «Die Aussentemperaturen haben begonnen, sich auf die Bewertung von Immobilien auszuwirken.» Dachwohnungen mit grossen Fenstern, Balkon und Seesicht – traditionell die begehrtesten Einheiten – liessen sich zunehmend schwerer vermarkten, weil sie sich bei Hitzewellen stark aufheizten. Molteni stellt offen die Frage, ob Attikawohnungen in zehn bis zwanzig Jahren noch dieselbe Beliebtheit geniessen werden.

Wie konkret das werden kann, zeigt ein Fall aus Zollikon ZH, den Bilanz beschreibt: Eine Käuferin erwarb eine neu gebaute, zweigeschossige Wohnung mit raumhohen Fensterfronten und Seeblick. Bei Hitzewellen stiegen die Innentemperaturen im oberen Stockwerk trotz geschlossener Storen und Fenster auf 28 bis 30 Grad – die eingebaute Kühldecke reichte nicht aus. Sie bereut den Kauf und würde ein derart «treibhausartiges» Konzept nicht mehr wählen.

«Die Aussentemperaturen haben begonnen, sich auf die Bewertung von Immobilien auszuwirken.» – Matteo Molteni, Immobilienberater, gegenüber SRF

Die Baubranche denkt um

Auch auf der Normenseite verschieben sich die Prioritäten. Elia Zuccheddu von der Tessiner Sektion des Ingenieur- und Architektenvereins SIA sagt gegenüber SRF: «Früher standen die Anforderungen im Winter im Mittelpunkt. Heute wünschen sich viele vor allem möglichst kühle Innenräume im Sommer.» Statt sommerliche Überhitzung einfach mit einer Klimaanlage oder Wärmepumpe zu kompensieren, verlangen die Normen zuerst bauliche Massnahmen: aussenliegenden Sonnenschutz, effiziente Verglasung, Dämmung und intelligente Gebäudeautomation.

Wie das konkret aussehen kann, zeigt laut Bilanz und Beobachter das Wohnhaus Aglaya in Rotkreuz ZG: eine hell gehaltene Fassade in Kombination mit umfassender Begrünung, die als passive Kühlung wirkt – ein Beispiel dafür, wie Neubauten künftig stärker auf sommerlichen Komfort statt allein auf Lichtfülle ausgelegt werden könnten.

Was das für Ihren Verkauf bedeutet

Für den einzelnen Hausverkauf lassen sich aus diesen Entwicklungen keine Preiszahlen ableiten – dazu fehlen bislang systematische Marktdaten. Die Beobachtungen von Fachleuten und die Rekordwerte des Sommers 2026 zeigen aber eine Richtung, auf die sich Verkäuferinnen und Verkäufer einstellen können:

  • Beschattung vor der Besichtigung prüfen: Fehlende Storen, Rollläden oder Markisen an sonnenexponierten Fenstern fallen bei einer Besichtigung im Hochsommer sofort auf. Wo möglich, lohnt sich eine Nachrüstung vor dem Verkauf – das ist meist günstiger als ein späterer Preisabschlag.
  • Besichtigungstermine bewusst legen: Eine Dachwohnung mit Glasfront wirkt an einem kühlen Vormittag anders als an einem Hitzenachmittag. Wer die Wahl hat, sollte Termine entsprechend planen oder die Kühlung/Beschattung vorher aktivieren.
  • Kühlungsargumente aktiv ansprechen: Querlüftung, Baumschatten, Aussenjalousien oder ein tiefer GEAK-Wert sind heute ein Verkaufsargument – genauso wie früher «viel Licht». Wer diese Eigenschaften hat, sollte sie im Exposé nennen, statt sie für selbstverständlich zu halten.
  • Bei reinen Südglasfassaden ehrlich bleiben: Wird bei einer Besichtigung nach der sommerlichen Raumtemperatur gefragt, wirkt eine vorbereitete, ehrliche Antwort vertrauensbildender als Ausweichen – gerade weil das Thema durch die Berichterstattung 2026 präsenter geworden ist.
Der Rekordsommer 2026 macht deutlich: Was einst als Premium-Ausstattung galt – viel Glas, viel Sonne –, wird zunehmend zur Frage, die Käuferinnen und Käufer aktiv stellen. Wer das bei Exposé und Besichtigung antizipiert, verkauft ruhiger.

Ob sich dieser Trend in den kommenden Jahren tatsächlich in Verkaufspreisen niederschlägt, werden erst weitere Hitzesommer und systematische Marktauswertungen zeigen. Bis dahin gilt: Ein Verkaufsobjekt, das im August ohne Klimaanlage angenehme Temperaturen hält, verkauft sich in einem Jahr wie 2026 leichter als eines, das dann erst zum Gesprächsthema wird.

Quellen