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Home Staging beim Hausverkauf: Was die Zahlen wirklich zeigen

Bis zu 15 Prozent mehr Verkaufspreis: Was Home Staging in der Schweiz kostet, was Studien und Verbände wirklich zeigen und wann sich der Aufwand nicht lohnt.

Aktualisiert Juli 20264 min Lesezeitkontakt@maklervermittlung.ch
Hell eingerichtetes Wohnzimmer mit grauem Sofa und neutraler Dekoration

Wer sein Haus oder seine Wohnung verkauft, konkurriert heute mit hochwertig fotografierten, oft professionell eingerichteten Inseraten. Home Staging – die gezielte Möblierung und Inszenierung einer Immobilie vor dem Verkauf – ist deshalb kein Nischentrend mehr, sondern für viele Verkäufer eine ernsthafte Überlegung. Der Hauseigentümerverband Graubünden hat das Thema Mitte Juli erneut aufgegriffen – Anlass, die Zahlen dahinter nüchtern einzuordnen: Was bringt Home Staging wirklich, was kostet es, und wann lohnt es sich nicht?

Warum leere oder ungepflegte Räume schwerer verkaufen

Der Kaufentscheid für eine Immobilie fällt oft emotional und innerhalb weniger Minuten. Käuferinnen und Käufer betreten einen Raum und spüren rasch, ob sie sich dort vorstellen können zu wohnen. Genau hier liegt das Problem bei leerstehenden oder stark persönlich geprägten Wohnungen: Der Schweizer Verband für Home Staging und Redesign (SVHR) verweist darauf, dass sich nur rund 20 Prozent der Menschen einen Raum anders vorstellen können, als er im Moment aussieht. Wer eine leere oder mit fremden Möbeln vollgestellte Wohnung besichtigt, hat also Mühe, sich das eigene Leben darin auszumalen – und genau diese Vorstellungskraft soll Home Staging ersetzen.

Was die Zahlen zu Preis und Verkaufsdauer zeigen

Die am häufigsten zitierten Effekte stammen von Branchenverbänden und Immobilienportalen, nicht von unabhängigen akademischen Studien – das gehört zur Einordnung dazu. Der HEV Graubünden nennt für professionell inszenierte Immobilien einen bis zu 75 Prozent schnelleren Verkauf und bis zu 15 Prozent höhere Verkaufspreise. Der SVHR beziffert die Verkürzung der Vermarktungsdauer vorsichtiger mit durchschnittlich rund 50 Prozent, bei ebenfalls bis zu 15 Prozent höheren Preisen. Comparis verweist zusätzlich auf Erhebungen aus dem US-Maklermarkt, wonach gestagte Objekte teilweise bis zu einem Drittel schneller einen Käufer finden.

Die Bandbreite der Zahlen macht deutlich: Home Staging kann den Verkauf beschleunigen und den Preis stützen – aber die Prozentwerte sind Richtgrössen aus der Branche, kein Naturgesetz für jedes Objekt.

Wichtig für die Einordnung: Wirkung entfaltet Home Staging vor allem dort, wo eine Immobilie ohnehin verkäuflich, aber schwer vorstellbar ist – bei überholter Einrichtung, starker Personalisierung oder komplettem Leerstand. Bei realistisch bepreisten, gepflegten und bereits ansprechend eingerichteten Objekten fällt der zusätzliche Effekt naturgemäss kleiner aus.

Was Home Staging in der Schweiz kostet

Die Kosten hängen stark davon ab, ob physisch oder virtuell gestaged wird:

  • Virtuelles Staging: Der HEV Graubünden nennt rund 100 Franken pro Raum – Möbel werden digital in Fotos leerer Räume eingefügt, ohne dass real möbliert wird.
  • Physisches Staging einer 4,5-Zimmer-Wohnung: rund 5'000 Franken, meist für eine Mietdauer von etwa drei Monaten.
  • Physisches Staging eines Einfamilienhauses: etwa das Doppelte, rund 10'000 Franken, aufgrund der grösseren Fläche.
  • Comparis nennt für die Schweiz insgesamt eine breitere Spanne von 2'500 bis 20'000 Franken, je nach Grösse und Umfang der Immobilie.

Wer eine Maklerin oder einen Makler beauftragt, sollte laut Comparis vorab klären, ob Home Staging bereits Teil des Vermarktungspakets ist – bei vielen Anbietern ist das der Fall, was die Zusatzkosten für Verkäufer reduziert.

Virtuell, physisch oder Selbsthilfe?

Nicht jede Immobilie braucht ein volles Staging-Budget. Drei Stufen haben sich in der Praxis etabliert:

  • Selbst entrümpeln und neutralisieren: Persönliche Gegenstände, Fotos und Sammlungen entfernen, gründlich reinigen, wo nötig neu streichen – in hellen, neutralen Farben wie Weiss, Beige oder Hellgrau. Das kostet primär Zeit und schafft bereits eine deutlich neutralere Ausgangslage.
  • Virtuelles Staging: Die günstigste Variante für leerstehende Objekte, wirkt aber nur auf Fotos und Online-Inseraten, nicht bei der physischen Besichtigung.
  • Professionelles physisches Staging: Die aufwendigste, aber auch überzeugendste Variante – besonders bei leeren oder stark abgenutzten Objekten in umkämpften Lagen.

Wann sich der Aufwand eher nicht lohnt

Bei knapp bemessenem Verkaufszeitraum, sehr tiefem Budget oder Objekten, die ohnehin durch Lage und Preis stark nachgefragt sind, lässt sich der Effekt von Staging kaum sauber vom übrigen Marktgeschehen trennen. Auch bei Renditeliegenschaften mit institutionellen Käufern, die primär auf Ertragswert und Zustand schauen, spielt die emotionale Inszenierung eine untergeordnete Rolle. Hier lohnt es sich eher, in eine korrekte, marktgerechte Preisstrategie und eine saubere Dokumentation zu investieren als in Möbel auf Zeit.

Quellen