Hypotheken

Hypothekarzinsen stabil: Warum die Schweiz dem Zinsschub trotzt

Weltweit steigen die Hypothekarzinsen, in der Schweiz bleiben sie stabil. Was die MoneyPark-Einschätzung vom September 2026 für Verkäufer bedeutet.

Aktualisiert September 20264 min Lesezeitkontakt@maklervermittlung.ch
Aufgehäufte Schweizer Franken in Münzen und Banknoten

Während die Zinsen in der Eurozone, in Grossbritannien und in den USA seit dem Sommer wieder kräftig steigen, bewegen sich Schweizer Hypothekarzinsen kaum. Das zeigt die aktuelle Einschätzung von MoneyPark vom 21. September 2026: Das Zinsniveau hierzulande verfestigt sich, während im Ausland ein neuer Schub durch die Zentralbanken läuft. Für Verkäufer ist das eine gute Nachricht – aber nur bedingt, denn die Zinswende nach oben ist auch in der Schweiz noch nicht ausgestanden.

Was die MoneyPark-Einschätzung zeigt

Laut MoneyPark liegen zehnjährige Festhypotheken in der Schweiz aktuell bei rund 2 Prozent – ein Niveau, das die befragten Hypothekaranbieter als vergleichsweise attraktiv einstufen. Seit der globalen Zinswende 2022 sind die Schweizer Referenzsätze nach Angaben von MoneyPark rund viermal weniger stark gestiegen als in Deutschland und Grossbritannien, und mehr als fünfmal weniger stark als in den USA.

"Eine Rückkehr zu den ultratiefen Zinsen von einst rückt in immer weitere Ferne" – gleichzeitig bleibt die Schweiz laut MoneyPark der mit Abstand ruhigste Zinsmarkt im internationalen Vergleich.

Für die kommenden Monate rechnen viele der von MoneyPark befragten Anbieter mit weiterem, moderatem Aufwärtsdruck – vor allem bei längeren Laufzeiten.

Warum die Schweiz vom globalen Zinsschub verschont bleibt

Der Unterschied hat einen konkreten Auslöser: Die Europäische Zentralbank hat am 10. September 2026 ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben, den Einlagensatz auf 2,50 Prozent. Grund ist der anhaltende Inflationsdruck, getrieben durch den Nahost-Konflikt und den daraus resultierenden Energiepreisschock. In den USA und Grossbritannien zeichnet sich eine ähnliche Dynamik ab.

Die Schweiz ist davon laut MoneyPark aus zwei Gründen weitgehend abgeschirmt:

  • Der starke Franken dämpft importierte Inflation, weil Waren aus dem Ausland real günstiger werden.
  • Die moderate Teuerung im Inland gibt der Nationalbank keinen Anlass, ihren Leitzins von 0 Prozent zu verlassen.

Das ist auch der Grund, warum die Zinsdifferenz zum Ausland seit 2022 so gross geworden ist – und warum sie sich mit jeder weiteren Zinserhöhung der EZB, der Bank of England oder der Fed noch vergrössert.

Trotzdem: Günstig ist relativ

Wer daraus schliesst, Schweizer Hypotheken seien billig, irrt sich. Stabil heisst nicht günstig. Laut einer Comparis-Auswertung vom Juli 2026 bewegten sich zehnjährige Festhypotheken zwischen 1,3 und 2,1 Prozent, fünfjährige zwischen 1,2 und 1,7 Prozent und Saron-Hypotheken zwischen 0,8 und 1,2 Prozent – trotz des Nationalbank-Leitzinses von 0 Prozent. Die Spanne zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot ist damit weiterhin aussergewöhnlich breit.

Konkret heisst das laut Comparis-Experte Dirk Renkert: Wer bei einer Hypothek von 750'000 Franken nicht verhandelt, verliert je nach Laufzeit zwischen rund 13'000 und fast 50'000 Franken gegenüber dem günstigsten verfügbaren Angebot.

Der entscheidende Faktor für Käufer ist heute nicht mehr allein das allgemeine Zinsniveau, sondern die Bereitschaft, mehrere Offerten einzuholen und zu verhandeln.

Was das für Verkäufer bedeutet

Für den Verkaufsprozess ergeben sich daraus drei praktische Punkte:

  • Der Käuferkreis bleibt breiter, als es die internationalen Schlagzeilen vermuten lassen. Solange die Schweizer Zinsen stabil bleiben, verändert sich die Tragbarkeitsrechnung für Käuferinnen und Käufer kaum – anders als in Ländern, in denen Hypothekarzinsen seit 2022 deutlich stärker gestiegen sind.
  • Bankmargen bleiben ein Verhandlungsthema, nicht nur beim Kaufpreis. Wenn Käufer wissen, dass sich mit dem richtigen Angebot Zehntausende Franken sparen lassen, verschiebt sich ein Teil ihres Verhandlungsspielraums von der Finanzierung zurück auf den Kaufpreis. Verkäufer sollten das bei der Preisstrategie einkalkulieren.
  • Der moderate Aufwärtsdruck bei langen Laufzeiten spricht eher für zügige Abschlüsse als für Abwarten. Wer als Käufer auf sinkende Zinsen spekuliert, bekommt von der aktuellen Einschätzung wenig Rückenwind – das kann Verhandlungen beschleunigen, wenn Verkäufer diesen Punkt kennen und ansprechen.

Unterm Strich bleibt die Schweiz ein Sonderfall: Während anderswo die Finanzierung von Wohneigentum durch steigende Zinsen spürbar teurer wird, verändert sich die Ausgangslage für Schweizer Käuferinnen und Käufer nur graduell. Das stützt die Nachfrage – ersetzt aber nicht die Sorgfalt bei der eigenen Preisstrategie und bei der Wahl der Käuferschaft.

Quellen