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Kaufindex Juli 2026: Zürich kühlt ab, Zentralschweiz zieht an

Der Kaufindex Juli 2026 zeigt: Zürich verliert als einzige Region an Wert, die Zentralschweiz übernimmt die Führung. Was das für Verkäufer bedeutet.

Aktualisiert August 20265 min Lesezeitkontakt@maklervermittlung.ch
Wohnhäuser am Hang über dem Vierwaldstättersee bei Seelisberg, Zentralschweiz

Der neue Kaufindex von ImmoScout24 und IAZI für Juli 2026 liest sich auf den ersten Blick unspektakulär: Landesweit legten die Angebotspreise für Eigentumswohnungen nur noch um 0,3 Prozent zu, bei Einfamilienhäusern waren es 0,1 Prozent – deutlich weniger Tempo als im Juni. Wer aber nur auf den Schweizer Durchschnitt schaut, verpasst die eigentliche Geschichte: Innerhalb eines einzigen Monats haben mehrere Grossregionen die Richtung komplett gewechselt. Zürich, im Juni noch mit Abstand die stärkste Region, ist im Juli der einzige Markt mit sinkenden Wohnungspreisen. Die Zentralschweiz, im Juni bei Einfamilienhäusern noch das grösste Sorgenkind, führt im Juli beide Kategorien an.

Die nationalen Zahlen im Überblick

Im Jahresvergleich bleibt das Bild freundlich: Eigentumswohnungen kosteten im Juli 4,7 Prozent mehr als vor zwölf Monaten, Einfamilienhäuser 3,2 Prozent. Im Monatsvergleich hat sich das Wachstum aber spürbar verlangsamt – im Juni waren es bei Wohnungen noch 0,7 Prozent gewesen. Als einen Faktor nennt der Bericht steigende Hypothekarzinsen: Fixhypotheken über zwei, fünf und zehn Jahre verteuerten sich Mitte Juli um rund 0,2 Prozentpunkte, was die Kaufkraft mancher Interessentinnen und Interessenten spürbar dämpft.

Der nationale Durchschnitt sagt über die eigene Region kaum noch etwas aus – wer sein Inserat danach kalkuliert, verkalkuliert sich womöglich um mehrere Prozentpunkte.

Zürich: vom Spitzenreiter zum Schlusslicht

Bei Eigentumswohnungen war die Grossregion Zürich im Juni das Zugpferd des Landes mit einem Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vormonat, wie finews.ch berichtete. Im Juli drehte der Trend: Zürich verzeichnete als einzige Grossregion einen Rückgang, minus 0,9 Prozent. Bei Einfamilienhäusern verlangsamte sich das Wachstum von 1,4 Prozent im Juni auf nur noch 0,1 Prozent im Juli. Für Verkäuferinnen und Verkäufer im Grossraum Zürich heisst das: Wer sein Preisschild noch an den Juni-Zahlen orientiert, liegt aktuell über dem, was der Markt gerade zeigt.

Zentralschweiz dreht ins Plus – bei beiden Objekttypen

Noch deutlicher fällt der Wechsel in der Zentralschweiz aus. Bei Einfamilienhäusern war die Region im Juni mit minus 3,2 Prozent der schwächste Markt der Schweiz. Im Juli steht dieselbe Region mit plus 1,3 Prozent an der Spitze aller Grossregionen. Bei Eigentumswohnungen legte die Zentralschweiz von 1,7 Prozent im Juni auf 2,2 Prozent im Juli zu und übernahm damit die Führung von Zürich. Beide Objektkategorien zeigen in der Zentralschweiz also im selben Monat dieselbe Richtung – anders als noch im Juni, als sich Wohnungen und Häuser in der Region diametral entgegengesetzt entwickelten.

Ostschweiz: der Wechsel in die andere Richtung

Umgekehrt verlief die Bewegung in der Ostschweiz. Bei Einfamilienhäusern war sie im Juni mit plus 2,1 Prozent noch die stärkste Region des Landes, im Juli fielen die Preise dort um 2,0 Prozent – die deutlichste Korrektur aller Grossregionen. Auch das Tessin gab bei den Häusern nach, um 1,3 Prozent, nachdem die Preise im Juni noch stabil geblieben waren. Bei Eigentumswohnungen bewegte sich die Ostschweiz von minus 0,6 auf null Prozent.

Ein Indexwert ist kein Trend – aber ein Muster

Wichtig für die Einordnung: Der Kaufindex bildet inserierte Angebotspreise ab, nicht tatsächlich bezahlte Kaufpreise – einzelne grosse oder kleine Objekte in einem dünn besiedelten Segment können den Monatswert einer Region verzerren. Ein Monat ist deshalb noch kein Beweis für eine dauerhafte Trendwende. Bemerkenswert ist trotzdem, dass sich gleich drei Grossregionen – Zürich bei Wohnungen, Zentralschweiz bei Häusern, Ostschweiz bei Häusern – innerhalb von vier Wochen von einem Rand des Rankings zum anderen bewegt haben. Das deutet weniger auf eine landesweite Abkühlung hin als auf einen Markt, der zunehmend regional und nach Objekttyp auseinanderdriftet, wie es sich auch in der aktuellen Halbjahresauswertung von MoneyPark andeutet, die für das erste Halbjahr 2026 ein wachsendes Preisgefälle zwischen Deutschschweiz und Romandie zeigt.

Was das für Verkäufer bedeutet

  • Prüfen Sie vor der Preisfestlegung die aktuellsten Zahlen für Ihre Grossregion und Ihren Objekttyp – der Landesdurchschnitt und selbst die Zahlen vom Vormonat können bereits überholt sein.
  • In der Zentralschweiz und am Genfersee spricht die aktuelle Dynamik für eine zügige Vermarktung, solange der Rückenwind anhält.
  • In Zürich und der Ostschweiz lohnt sich eine realistischere Preiseinschätzung als noch vor wenigen Wochen – eine unabhängige Bewertung schafft hier Klarheit.
  • Behalten Sie die Zinsentwicklung im Blick: Steigende Fixhypothekarzinsen wirken sich auf die Tragbarkeitsrechnung der Käuferschaft aus und damit indirekt auch auf die erzielbaren Preise.

Quellen