Kaufindex Juni 2026: Warum Zürich boomt und Zentralschweiz sinkt
ImmoScout24-Kaufindex Juni 2026: Zürich zieht bei Eigentumswohnungen an, die Zentralschweiz sinkt bei Einfamilienhäusern. Was das für Verkäufer bedeutet.
Der neue ImmoScout24-Kaufindex für Juni 2026 zeigt auf den ersten Blick ein ruhiges Bild: Eigentumswohnungen verteuerten sich landesweit um 0,7 Prozent, Einfamilienhäuser praktisch gar nicht. Wer genauer hinschaut, sieht etwas anderes – nämlich einen Markt, der sich je nach Region und Objekttyp in völlig verschiedene Richtungen bewegt. Für Verkäufer heisst das: Der nationale Durchschnitt sagt über den eigenen Verkaufspreis kaum noch etwas aus. Wer im Juni 2026 ein Inserat plant, sollte zuerst prüfen, wie sich seine eigene Grossregion und Objektkategorie tatsächlich entwickelt haben – nicht, wie der Schweizer Schnitt aussieht.
Der Kaufindex im Überblick
Der von ImmoScout24 und IAZI berechnete Kaufindex bildet inserierte Angebotspreise ab, nicht effektiv bezahlte Kaufpreise. Im Juni 2026 stiegen die Preise für Eigentumswohnungen gegenüber dem Vormonat um 0,7 Prozent, im Jahresvergleich um 4,5 Prozent. Einfamilienhäuser legten im Monatsvergleich nur um 0,1 Prozent zu, im Jahresvergleich aber immerhin um 3,1 Prozent. Laut Martin Waeber, Managing Director Real Estate bei der Swiss Marketplace Group, stützen vor allem die tiefen SARON-Sätze und günstigere Festhypotheken als im Vorjahr die Preise – bei weiterhin knappem Angebot.
Eigentumswohnungen: Zürich zieht deutlich davon
Bei den Eigentumswohnungen sticht die Grossregion Zürich heraus: Dort legten die Angebotspreise im Juni um 2,3 Prozent zu – der stärkste Anstieg aller Regionen. Auch in der Zentralschweiz (+1,7 %) und der Nordwestschweiz (+1,5 %) verlangten Verkäufer merklich mehr als im Vormonat. Im Tessin stiegen die Preise um 1,1 Prozent, am Genfersee nur leicht um 0,4 Prozent. Zwei Regionen bewegten sich sogar rückläufig: die Ostschweiz (−0,6 %) und das Mittelland (−0,5 %).
Einfamilienhäuser: fast das Gegenteil
Bei Einfamilienhäusern zeigt sich ein anderes Bild. Die Ostschweiz führt hier mit einem Plus von 2,1 Prozent, gefolgt von Zürich (+1,4 %) und dem Genfersee-Raum (+0,7 %). Im Tessin blieben die Preise stabil. Deutlich nach unten ging es dagegen in der Nordwestschweiz (−0,7 %) und im Mittelland (−1,3 %). Am stärksten fiel der Rückgang in der Zentralschweiz aus: minus 3,2 Prozent innerhalb eines einzigen Monats.
Eine Region, zwei Richtungen
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Zentralschweiz. Bei Eigentumswohnungen gehört sie mit +1,7 Prozent zu den stärksten Regionen des Landes – bei Einfamilienhäusern verzeichnet sie mit −3,2 Prozent gleichzeitig den grössten Rückgang. Beide Zahlen stammen aus demselben Monat und derselben Grossregion. Wer dort ein Einfamilienhaus besitzt und sich am Preisniveau von Eigentumswohnungen orientiert, verkalkuliert sich möglicherweise deutlich.
Ein einzelner Monatswert ist zwar noch kein Trend, aber die Kombination ist selten: Innerhalb derselben Grossregion bewegen sich zwei Objektkategorien um über vier Prozentpunkte auseinander. Das kann auf ein grösseres Angebot an Einfamilienhäusern in bestimmten Zentralschweizer Gemeinden hindeuten, auf eine Marktkorrektur nach den kräftigen Anstiegen der Vormonate, oder schlicht auf einzelne grosse Inserate, die den regionalen Durchschnitt in einem eng gefassten Segment verzerren. Der Kaufindex selbst liefert dazu keine Erklärung – das bleibt eine Aufgabe für lokale Marktkenntnis.
Der nationale Durchschnitt ist für die eigene Preisstrategie nutzlos, wenn Region und Objekttyp in entgegengesetzte Richtungen laufen. Entscheidend ist der lokale Markt für genau die eigene Immobilienkategorie.
Was das für die Verkaufsstrategie bedeutet
Aus den Juni-Zahlen lassen sich drei praktische Punkte für Verkäufer ableiten:
- Regionale Vergleichsdaten statt Schweizer Mittelwert. Wer den Verkaufspreis anhand landesweiter Schlagzeilen festlegt, liegt in Regionen wie der Zentralschweiz oder dem Mittelland leicht daneben – in beide Richtungen.
- Objekttyp getrennt betrachten. Ein Anstieg bei Eigentumswohnungen sagt nichts über die Preisentwicklung von Einfamilienhäusern in derselben Region aus, wie die Zentralschweiz zeigt.
- Lokale Marktkenntnis einholen. Ein Makler mit Erfahrung in der eigenen Grossregion und Objektkategorie erkennt solche Verschiebungen früher als ein nationaler Index, der erst mit Verzögerung veröffentlicht wird.
Die Zahlen für Juni sind ein Momentaufnahme, keine Prognose. Für den kommenden Bericht lohnt sich ein Blick darauf, ob sich die Zentralschweizer Diskrepanz zwischen Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern fortsetzt oder wieder angleicht – und ob Zürich sein Wachstumstempo bei den Eigentumswohnungen halten kann.