Leerwohnungsziffer 2026: Was 0,93 Prozent für Verkäufer heissen
Die Leerwohnungsziffer sinkt 2026 erstmals unter 1 Prozent, mit grossen kantonalen Unterschieden. Was das für Hausverkäufer in der Schweiz konkret bedeutet.
Der Wohnungsmarkt wird noch enger. Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat am 10. September 2026 die neusten Zahlen zur Leerwohnungsziffer veröffentlicht: Per 1. Juni 2026 standen in der Schweiz noch 45'493 Wohnungen leer – 0,93 Prozent des gesamten Wohnungsbestands. Damit fällt die Quote erstmals seit rund 15 Jahren unter die Marke von 1 Prozent. Für Verkäuferinnen und Verkäufer von Wohneigentum ist das mehr als eine Randnotiz: Je knapper das Angebot, desto stärker die Verhandlungsposition – allerdings nicht überall gleich stark.
Die Zahlen im Detail
Laut BFS sank die Leerwohnungsziffer gegenüber dem Vorjahr um 0,07 Prozentpunkte. Das bedeutet:
- 2'962 weniger leerstehende Wohnungen als ein Jahr zuvor – ein Rückgang von 6,1 Prozent.
- Der sechste Rückgang in Folge seit 2021, mit einem kumulierten Minus von 0,79 Prozentpunkten seit dem Höchststand.
- 15 von 26 Kantonen liegen mittlerweile unter der 1-Prozent-Marke.
Die Zahlen bestätigen einen Trend, den auch SRF und cash.ch unabhängig einordnen: Der Schweizer Wohnungsmarkt bleibt strukturell unterversorgt, trotz zuletzt gestiegener Bautätigkeit.
Grosse Unterschiede zwischen den Kantonen
Wer eine Immobilie verkaufen will, sollte nicht auf die nationale Durchschnittszahl schauen, sondern auf die kantonale Situation. Die Unterschiede sind markant:
- Am knappsten: Zug (0,20 %), Genf (0,31 %) und Obwalden (0,38 %).
- Am wenigsten knapp: Jura (3,35 %) und Solothurn (1,91 %).
Damit ist die Leerwohnungsziffer im Jura mehr als 16-mal so hoch wie in Zug.
Wer in Zug oder Genf verkauft, trifft praktisch auf keine Konkurrenz durch leerstehende Objekte. Wer im Jura oder in Solothurn verkauft, muss mit deutlich mehr Auswahl für Käuferinnen und Käufer rechnen – und entsprechend realistischer beim Preis kalkulieren.
Zürich fällt aus dem Muster
Bemerkenswert: In sechs der sieben Grossregionen sank die Leerwohnungsziffer weiter, am stärksten in der Ostschweiz, der Nordwestschweiz und im Tessin. Einzig die Region Zürich bewegte sich gegen den Trend und stieg leicht an, auf 0,52 Prozent. Das Niveau bleibt damit weiterhin tief und für Verkäufer komfortabel – doch die Kehrtwende ist ein Signal, das man in den kommenden Quartalen im Auge behalten sollte, bevor man automatisch mit einer immer engeren Marktlage rechnet.
Auch Eigentum wird knapper
Der Rückgang beschränkt sich nicht auf Mietwohnungen. Auch bei Objekten, die zum Kauf angeboten werden, sinkt der Leerstand:
- Mietwohnungen: 34'690 leerstehend, minus 6,7 Prozent gegenüber Vorjahr.
- Kaufobjekte: 10'803 leerstehend, minus 4,1 Prozent.
- Einfamilienhäuser: 6'496 leerstehend, minus 4,4 Prozent.
- Neubauwohnungen (bis 2 Jahre alt): 3'910 leerstehend, minus 1,2 Prozent.
Auch im Eigentumssegment wird das Angebot an unverkauften Objekten also spürbar dünner – ein Faktor, der die Preisdynamik zusätzlich stützt.
Was das für Verkäufer bedeutet
Eine sinkende Leerwohnungsziffer ist grundsätzlich gute Nachricht für alle, die verkaufen wollen: weniger Konkurrenzangebote, kürzere Vermarktungsdauer, mehr Verhandlungsspielraum beim Preis. Konkret heisst das:
- In Kantonen mit sehr tiefer Quote (Zug, Genf, Obwalden, aber auch die meisten Zentralschweizer Kantone) lässt sich eine Liegenschaft in der Regel schneller und zu einem realistischeren Marktpreis verkaufen, weil Käuferinnen und Käufer wenig Alternativen haben.
- In Kantonen mit höherer Quote (Jura, Solothurn) lohnt sich eine nüchterne Preisstrategie: Eine zu optimistische Bewertung führt hier eher zu langen Standzeiten, weil Käufer mehr Auswahl haben.
- Die Entwicklung in der Region Zürich zeigt, dass sich auch in angespannten Märkten die Lage lokal verändern kann. Eine aktuelle, lokal fundierte Markteinschätzung ist deshalb wichtiger als eine nationale Faustregel.
Für die Preisfindung bleibt eine seriöse, standortbezogene Bewertung entscheidend – die schweizweite Statistik liefert den Rahmen, die konkrete Verkaufsstrategie entscheidet sich aber auf Gemeinde- und Quartierebene.
Wichtig ist zudem, die Zahl richtig einzuordnen: Die Leerwohnungsziffer erfasst alle am Stichtag unvermieteten oder unverkauften Wohnungen, unabhängig davon, ob sie neu auf den Markt kommen oder schon länger leer stehen. Eine tiefe Quote heisst deshalb nicht automatisch, dass es in jeder Preisklasse eng ist – im mittleren und gehobenen Segment kann die Nachfrage lokal durchaus verhaltener sein als die Gesamtstatistik vermuten lässt. Wer verkauft, tut deshalb gut daran, die eigene Preisvorstellung nicht allein auf die nationale Schlagzeile zu stützen, sondern auf eine aktuelle Vergleichswertanalyse für die eigene Gemeinde.