Preisindizes im Widerspruch: Was FPRE und Raiffeisen zeigen
Zwei Preisindizes, zwei Bilder: Was die Q3-Zahlen von Fahrländer Partner und Raiffeisen nach Segment und Region für Verkäufer bedeuten.
Zwei Preisindizes, zwei Bilder vom Tessin: Die Eigentumswohnungen in der Südschweiz verlieren laut Fahrländer Partner 0,8 Prozent, laut Raiffeisen legen sie um 7,4 Prozent zu. Wer jetzt verkaufen will, sollte verstehen, warum solche Zahlen auseinanderliegen – und welche er für den eigenen Angebotspreis heranzieht.
Was Fahrländer Partner für das dritte Quartal meldet
Nach den am 15. Oktober veröffentlichten Daten von Fahrländer Partner (FPRE) verteuerten sich Eigentumswohnungen im mittleren Segment gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,6 Prozent. Im unteren Segment waren es 4,8 Prozent, im oberen 2,8 Prozent.
Bei den Einfamilienhäusern ergibt sich ein anderes Muster:
- mittleres Segment: +3,5 Prozent
- unteres Segment: +3,0 Prozent
- oberes Segment: +5,0 Prozent
Zum Vorquartal stiegen die Wohnungspreise je nach Segment um 0,4 bis 0,9 Prozent. Einfamilienhäuser stagnierten im unteren Segment und sanken im mittleren und oberen um 0,4 Prozent.
Wohnungen werden im unteren und mittleren Segment teurer, Häuser im oberen. Die Segmentfrage ist für den Verkaufspreis oft wichtiger als der Schweizer Durchschnitt.
Regionen: Zürich vorne, Südschweiz im Minus
Bei den Wohnungen im mittleren Segment liegt laut FPRE die Region Zürich mit 7,1 Prozent vorn, gefolgt von Mittelland und Jura mit je 5,6 Prozent. Die Südschweiz ist mit minus 0,8 Prozent die einzige Region mit Rückgang. Bei den Häusern führen die Alpenregion (+4,6 Prozent), die Genferseeregion (+3,9 Prozent) und die Südschweiz (+3,8 Prozent).
Warum Raiffeisen zu anderen Zahlen kommt
Der Transaktionspreisindex von Raiffeisen vom 12. Oktober zeigt für das dritte Quartal:
- Einfamilienhäuser: +2,0 Prozent zum Vorquartal, +3,6 Prozent zum Vorjahr
- Eigentumswohnungen: +1,7 Prozent zum Vorquartal, +5,9 Prozent zum Vorjahr
- Wohnungen in der Südschweiz: +7,4 Prozent zum Vorjahr, am Genfersee nur +0,4 Prozent
- Wohnungen in Tourismusgemeinden: +7,9 Prozent, in Stadtzentren nur +1,6 Prozent
Die beiden Anbieter nutzen unterschiedliche Methoden, Regionsabgrenzungen und Segmentdefinitionen. Der Widerspruch im Tessin ist deshalb kein Fehler, sondern ein Hinweis: Eine Region ist kein einheitlicher Markt. Ein Ferienort und eine Agglomeration können in derselben Statistik gegenläufig laufen.
Was das für Ihren Verkauf heisst
Regionale Indexwerte taugen als Orientierung, nicht als Preisgrundlage. Drei Dinge helfen:
- Segment bestimmen: Prüfen Sie, in welches Preissegment Ihre Immobilie fällt. Ein Haus im oberen Segment folgt anderen Kräften als eine günstige Wohnung.
- Gemeindetyp beachten: Stadtzentrum, Agglomeration und Tourismusort entwickeln sich laut Raiffeisen sehr unterschiedlich.
- Vergleichsverkäufe heranziehen: Konkrete Transaktionen in Ihrer Gemeinde und Ihrer Preisklasse sind verlässlicher als jeder Regionalindex.
Auch die Richtung ist uneinheitlich. Die Analyse von Moneypark und PriceHubble vom 5. August sah im ersten Halbjahr 2026 Einfamilienhäuser im Jahresvergleich 6,9 Prozent und Wohnungen 5,9 Prozent höher. FPRE und Raiffeisen messen für das dritte Quartal deutlich weniger bei den Häusern. Das spricht für ein Preiswachstum, das an Tempo verliert, aber nicht dreht.
Fazit
FPRE erwartet laut dem Bericht weiter steigende Preise, vor allem in den Agglomerationen grosser Städte, in weniger zentralen Regionen moderater. Für Verkäufer heisst das: Der Markt trägt, aber er belohnt eine realistische, objektbezogene Preisfindung. Lassen Sie Ihre Immobilie anhand aktueller Vergleichsverkäufe bewerten, statt sich auf eine einzelne Schlagzeile zu stützen.