Marktdaten

Renditeliegenschaften 2026: Warum der Markt jetzt Fahrt aufnimmt

Der IAZI-Index zeigt: Mehrfamilienhäuser verteuern sich 2026 um 4,3 Prozent im Jahresvergleich. Was die steigende Investorennachfrage für Verkäufer bedeutet.

Aktualisiert Juli 20264 min Lesezeitkontakt@maklervermittlung.ch
Weisse Fassade eines mehrstöckigen Mehrfamilienhauses mit Balkonen

Während sich der Preisauftrieb bei Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen im zweiten Quartal 2026 verlangsamt hat, zieht ein anderes Marktsegment spürbar an: Renditeliegenschaften. Der IAZI Investment Real Estate Price Index zeigt für Mehrfamilienhäuser und gemischt genutzte Wohn- und Geschäftsliegenschaften ein Preisplus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Eigentümer, die eine Renditeliegenschaft besitzen oder geerbt haben, ist das ein Signal, den Verkauf jetzt neu zu prüfen.

Die Zahlen im Detail

Laut finews.ch vom 9. Juli 2026 legten die Preise für Mehrfamilienhäuser im zweiten Quartal 2026 um 1,3 Prozent zu, nach bereits kräftigem Wachstum in den Vorquartalen. Der Jahresvergleich liegt bei 4,3 Prozent – deutlich mehr als bei selbstgenutztem Wohneigentum, wo die Jahresrate im gleichen Zeitraum bei rund 3,5 Prozent liegt. Als Treiber nennt IAZI die anhaltende Unsicherheit an den Kapitalmärkten sowie die unveränderte Nullzinspolitik der Schweizerischen Nationalbank. Für die zweite Jahreshälfte erwartet IAZI insgesamt stabile Verhältnisse am Schweizer Immobilienmarkt, trotz zunehmender globaler Unsicherheit.

Woher der Rückenwind kommt

Der Zulauf zu Renditeliegenschaften ist kein Zufall. Bei einem Leitzins von 0 Prozent bleibt der Renditevorsprung von Immobilien gegenüber Bundesobligationen intakt – institutionelle wie private Anleger suchen Alternativen zu tief verzinsten Obligationen. Wüst und Wüst spricht in diesem Zusammenhang von einem eigentlichen «Flight to Safety»: 57 Prozent der befragten Marktteilnehmer erwarten für 2026 ein steigendes Investitionsvolumen in Immobilien, und der Anteil der Investoren, die sich auf Wohnimmobilien konzentrieren, ist von 74 Prozent im Jahr 2025 auf 81 Prozent gestiegen. Als Hauptgrund nennen 99 Prozent der Befragten die stabilen Cashflows, die Wohnliegenschaften gegenüber anderen Anlageklassen bieten.

Diese Nachfrage schlägt sich auch in den Bewertungen von Immobilienfonds nieder. Der Basler Immobilienkompass 2026 der Basler Kantonalbank vom 28. April 2026 zeigt, dass die Agios – also die Aufschläge, zu denen Immobilienfonds gegenüber ihrem inneren Wert gehandelt werden – auf 30 bis 40 Prozent gestiegen sind, gegenüber einem langjährigen Mittel von rund 23 Prozent. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, wie viel Kapital derzeit in den Sektor drängt.

Der entscheidende Punkt für Eigentümer: Diese Nachfrage kommt nicht nur von Privaten, sondern zunehmend von institutionellen Käufern mit Anlagedruck – das kann bei einem Verkauf einen spürbaren Unterschied im erzielten Preis machen.

Regionale Unterschiede bleiben gross

Wer eine Renditeliegenschaft verkaufen will, sollte den Blick auch auf die Region richten. Laut dem Basler Immobilienkompass erzielten Wohnliegenschaften 2025 in Zürich eine Gesamtrendite von 7,0 Prozent und in Lausanne 6,9 Prozent, während Basel-Stadt mit 4,7 Prozent deutlich zurücklag. Die Nettocashflow-Rendite lag im Schnitt bei 2,9 Prozent und damit rund 2,5 Prozentpunkte über der Rendite zehnjähriger Bundesobligationen. Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung in Basel-Stadt 2025 um 1,4 Prozent, während neue Wohneinheiten – trotz Umbauten und Sanierungen – mit dem Bedarf nicht Schritt hielten. Diese Angebotsknappheit stützt die Mieteinnahmen und damit indirekt auch den Verkaufswert von Bestandsliegenschaften.

Was das für Verkäufer bedeutet

Wer eine Mehrfamilienliegenschaft besitzt – etwa aus einer Erbschaft oder als langjährige Kapitalanlage – sollte die aktuelle Marktlage aus mehreren Gründen ernst nehmen:

  • Bewertungen sind hoch, aber nicht beliebig hoch. Institutionelle Käufer rechnen weiterhin nüchtern mit Ertragswert und Nettocashflow-Rendite. Eine realistische Einschätzung der eigenen Liegenschaft lohnt sich vor der Preisfestlegung.
  • Die Nachfrage ist breit, aber nicht überall gleich stark. Lage, Mietstruktur und Zustand der Liegenschaft beeinflussen, wie stark ein Objekt vom aktuellen Trend profitiert.
  • Das Zinsumfeld kann kippen. Solange die SNB bei 0 Prozent verharrt, bleibt der Renditevorteil von Immobilien intakt. Ein Kurswechsel der Nationalbank würde die Attraktivität von Anleihen gegenüber Immobilien wieder verändern.
  • Vermietete Objekte verkaufen sich anders als selbstgenutzte. Käufer prüfen Mietverträge, Erneuerungsfonds und den baulichen Zustand oft noch genauer als bei einem Einfamilienhaus.

Für Eigentümer, die ohnehin über einen Verkauf nachdenken, spricht die aktuelle Konstellation aus hoher institutioneller Nachfrage, tiefen Zinsen und knappem Angebot für ein günstiges Zeitfenster. Wie lange dieses Fenster offen bleibt, hängt massgeblich von der Geldpolitik der SNB und der weiteren Entwicklung an den Kapitalmärkten ab.

Quellen